Als Verein im Lockdown, als Löschzug immer parat

Hauptwache blickt auf zwei Pandemie-Jahre mit jeweils deutlich über 400 Einsätzen zurück

Von Thomas Seider | PNP

Der Zwangspause des Vereinslebens wegen der Pandemie geschuldet, wurde bei der Hauptversammlung des Löschzugs Hauptwache der Freiwilligen Feuerwehr Passau gleich über zwei Jahre berichtet. Ausbildung und Geselligkeit hatten zurückgefahren werden müssen. Keinen Lockdown gab es allerdings bei den Einsätzen: 2020 hatte der Löschzug 424 Einsätze mit 4.575 Einsatzstunden, 2021 waren es 464 Einsätze mit 7.703 Einsatzstunden.

Der Löschzug Hauptwache ist unter den Feuerwehren der Stadt Passau von jeher am häufigsten an Einsätzen beteiligt. Er hat 92 aktive Mitglieder, Tendenz erfreulicherweise steigend, davon zählen 66 zur aktiven Mannschaft (zehn Frauen, 56 Männer),16 zur Jugendfeuerwehr (drei Mädchen, 13 Buben) und zehn zur Kinderfeuerwehr (ein Mädchen, neun Buben).

Zur Hauptversammlung am Freitagabend im Saal des landwirtschaftlichen Bezirksvereins in der Innstraße waren gut 50 stimmberechtigte Vereinsmitglieder gekommen. Ihnen und den interessierten Gästen berichtete Zugführer Toni Rang mit den stellvertretenden Zugführern Manfred Fasching, der auch Vorsitzender des Feuerwehrvereins ist, und Markus Kornexl, der den beeindruckenden illustrierten Jahresbericht 2020/2021 mit 100 Seiten Umfang erstellte und vortrug. Jugendwart Hannes Wolf berichtete vom tollen Engagement der Jugendlichen, Kassenwart Lennart Faasch von der guten finanziellen Lage beim Löschzug Hauptwache. Aus eigenen Mitteln konnte ein geländegängiger Pick-Up als Kleinalarmfahrzeug beschafft und ausgebaut werden, zudem werden bereits Rücklagen für den Ausbau eines Stüberls gebildet, wenn die Hauptwache an der Leonhard-Paminger-Straße einmal neu gebaut wird. Über den Haushalt und anschließend mehrheitlich beschlossene Satzungsänderungen referierte Schriftführer Manuel Merz. Wahlen standen nicht an.

Zahlen aus der Einsatzstatistik 2020/2021: 74/63 Brände (917/1001 Stunden Einsatz), 293/283 technische Hilfeleistungen (2920/4986 Stunden), 48/72 Fehlalarme (645/777 Stunden), 5/40 Sicherheitswachen (92/938 Stunden). Besonders in Erinnerung bleiben 2020 der Brand in einer Kfz-Werkstatt, der große Dachstuhlbrand in Heining und der Brand eines elektrisch betriebenen Transporters, der auf ein Gebäude übergriff. 2021 waren es Kellerbrände in Grubweg und Neustift und ein Dauerbrenner im wahrsten Sinn sind die vielen Einsätze wegen angebrannten Essens.

2020 war ein Rückgang der Einsätze bei Verkehrsunfällen auffällig, im Jahr darauf war es mit dem Rückgang wieder vorbei. Ein besonderer Einsatz war im Oktober 2020 die Befreiung von acht Flüchtlingen aus einem Container am Hauptbahnhof. Im August 2020 lief aus einem Kesselwaggon am Güterbahnhof Gefahrstoff aus.

2021 hatte ein Mitarbeiter der Löwenbrauerei mehrere Schutzengel, als er mit dem Radlader 30 Meter abstürzte und überlebte. Im Januar 2021 lief ein Frachtschiff mit 1000 Tonnen Kunstdünger gleich zweimal auf Grund. Im Mai 2021 folgten die Einsätze wegen der Baumbesetzer an der Innpromenade und Ortspitze. Ein ungewöhnlicher Einsatz folgte wegen des Mannes, der auf das Dach des Klosters Mariahilf kletterte. Leider wurde der 35-Jährige eiige Wochen später tot an der Donau in Engelhartszell gefunden. Zu einem tödlichen Verkehrsunfall kam es im Juni 2021 in Gaißa. Insgesamt 45 Einsatzkräfte der Feuerwehren der Stadt Passau halfen im Juli 2021 bei der Flutkatastrophe in Ahrweiler.

Von „zwei sehr anstrengenden Jahren“ sprach OB Jürgen Dupper in einem Grußwort. Für eine Pandemie mit vielen Toten und schweren Schicksalen habe es kein Drehbuch gegeben. Auf die Feuerwehr bezogen sagte er: „Es ist gut jemanden zu haben, auf den man immer bauen kann, in allen Lebenslagen.“ Umgekehrt habe der Stadtrat nie gewackelt, wenn es um Beschaffungen für die Feuerwehren in finanziell unsicherer Lage ging.

Dupper schilderte den Stand beim Neubau der Hauptwache, zusammen mit der Strauß-Brücke der größte finanzielle Schwerpunkt der kommenden Jahre. Es gehe zunächst um die Erkundung, ob es beim Standort Paminger- Straße bleiben kann, dazu sind geologische und statische Untersuchungen beauftragt. Er schlage dem Stadtrat vor, erstmal fünf Millionen Euro aus der Rücklage zu reservieren. Dabei wird es nicht bleiben. Die neue Hauptwache sei mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag zu veranschlagen. Einen dreistelligen jedoch würde sich die Stadt nicht leisten können.

„Ich bin guten Mutes, dass wir Anfang nächsten Jahres auf einen guten Weg gehen können“, sagte Stadtbrandrat Andreas Dittlmann zum Megaprojekt Hauptwache. Er bestätigte die Verlässlichkeit der Stadt bei Beschaffungen für die Feuerwehr. Zwei neue Fahrzeuge seien „in der Pipeline“. Er hob auch hervor, dass die Ausbildung in der Pandemie nicht ganz eingestellt, sondern mit großem Aufwand wenigstens eingeschränkt fortgeführt wurde.

„Ich habe euch riesig vermisst“, freute sich Fahnenmutter Anna Kapfinger über das Wiedersehen mit den Mitgliedern. „Auf euch kann man sich verlassen, von euch fühle ich mich als Passauerin geschützt.“ Die Fahnenmutter erinnerte an die Opfer unter Feuerwehrleuten, die derzeit in der Ukraine ihr Leben einsetzen. Die Versammlung schloss die ukrainischen Kollegen in das Gedenken an die verstorbenen Mitglieder ein.

Zur Versammlung gekommen waren auch Stadtbrandinspektor Florian Emmer, der Vorsitzende der Feuerwehr Passau Ludwig Kapfhammer, der Leiter der Polizeiinspektion Stefan Schillinger, stv. Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Jürgen Sälzer sowie die Stadträte Katja Reitmaier, Franz Prügl, Michael Schöffberger und Siegfried Kapfer.

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