
Phönix aus der Asche
Ein Passauer Löschfahrzeug zwischen Krieg, Verfall und Wiedergeburt
Die Freiwillige Feuerwehr Passau, gegründet im Jahr 1859 und damit eine der ältesten Feuerwehren Bayerns, setzte schon früh auf die Motorisierung. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden erstmals genormte Löschfahrzeuge in Dienst gestellt – doch lange Zeit galt keines dieser Fahrzeuge als erhalten.
Dass heute wieder ein originales Fahrzeug aus dieser Zeit existiert, gleicht einer besonderen Geschichte.
Einsatz unter schwierigsten Bedingungen
Das Leichte Löschgruppenfahrzeug (LLF 1500), Baujahr 1940, wurde am 20. Juli 1942 bei der Freiwilligen Feuerwehr Passau in Dienst gestellt. In den letzten Kriegstagen im Mai 1945 war es im Einsatz, als Bombenangriffe Teile der Stadt zerstörten. Feuerwehrmänner kämpften gegen Brände und retteten Menschen aus den Trümmern. Mit an vorderster Front: ein Mercedes LLF 1500. Ein bulliger Daimler, der das Sindelfinger Werk 1940 als Leichtes Löschgruppenfahrzeug verlassen hatte.
Nach dem Krieg wurde es 1946 an die Feuerwehr Helfendorf im Landkreis Bad Aibling abgegeben, wo es bis 1964 im Dienst blieb.
Jahre des Verfalls und eine entscheidende Entdeckung
Nach seiner Ausmusterung gelangte das Fahrzeug in die Hände eines Burschenvereins. Unsachgemäße Nutzung und mangelnde Pflege setzten ihm über Jahre hinweg stark zu.
Erst 1986 änderte sich das Schicksal des Fahrzeugs grundlegend: Die Freiwillige Feuerwehr Aachen (Löschzug Eilendorf) erwarb es. Während der Restaurierungsarbeiten wurde unter späteren Farbschichten die originale Beschriftung „Freiwillige Feuerwehr Passau“ entdeckt – der Ausgangspunkt für die Rückführung des Fahrzeugs an seinen ursprünglichen Standort.
Rückkehr nach Passau und aufwendige Restaurierung
Nach intensiven Kontakten zwischen Aachen und Passau entschloss sich der Verein der Freiwilligen Feuerwehr Passau e. V. Ende 1989 zum Rückkauf. Für 25.000 DM kehrte das Fahrzeug – vollständig, aber zerlegt – zurück.
In den Jahren 1990 und 1991 wurde es mit großem ehrenamtlichem Einsatz wieder aufgebaut. Rund 1.590 Arbeitsstunden flossen in die Restaurierung. Fahrgestell, Aufbau und Technik wurden umfassend überarbeitet, fehlende Teile ergänzt und teilweise in Handarbeit neu gefertigt.
„Wir haben so unsere Mühen mit dem Fahrzeug. Allein die Auspuffanlage muss mit selbstgemachten Rohren irgendwie ‚hineingebastelt‘ werden. Die aus Presspappe verkleidete Inneneinrichtung muss vollständig erneuert werden, ebenso das Holz im Innenausbau.“
Johann Bloch (ehemals Leiter der Feuerwehr-Fachwerkstätte)
Auch die Frage der originalgetreuen Lackierung wurde intensiv diskutiert, bevor man sich für das (früher) klassische Feuerwehrrot entschied.
Am 26. Juni 1991 konnte das Fahrzeug schließlich wieder zugelassen werden.
„Zur endgültigen Ruhe wird dieser Mercdes noch lange nicht kommen“
Fred Fasching (ehemals Vorstand Freiw. Feuerwehr Passau e. V.)
Ebenso wurde 1990 vom ehemaligen Vorsitzenden Fred Fasching ein zugehöriger Tragkraftspritzenanhänger (offene Bauweise) Fabrikat Hoenig – komplett mit Tragkraftspritze TS 8 – im vollständig restaurierten Zustand für 3500,00 D-Mark gekauft und dem Verein überlassen. Dieser ist aktuell im Foyer der Hauptfeuerwache Passau untergestellt.
Ein Stück Geschichte gerät in den Hintergrund
In den folgenden Jahren blieb das Fahrzeug erhalten, wurde jedoch nur noch selten bewegt. Über lange Zeit stand es abgestellt und wurde lediglich zu besonderen Anlässen genutzt.
Nach einem Wechsel der Vereinsführung kam wieder Bewegung in das Projekt: Nach den Neuwahlen im Jahr 2022 übernahm Markus Kornexl den Vorsitz des Vereins der Freiwilligen Feuerwehr Passau e. V. und folgte damit auf Ludwig Kapfhammer. Der scheidende Vorstand gab dem neu gewählten Gremium mit auf den Weg, sich dem Thema Oldtimer wieder intensiver zu widmen, es vor dem Vergessen zu bewahren und ihm neue Sichtbarkeit zu verleihen.
Die „Boxencrew Oldtimer“ nahm sich der Aufgabe an – Carsten Fussan, Martin Ledermüller und Thomas Sageder, alle Löschzug Hauptwache – widmeten dem Fahrzeug zahlreiche Stunden und viel Hirnschmalz.
Erste Arbeiten und eine realistische Bestandsaufnahme im Jahr 2023 brachte jedoch zunächst Ernüchterung. Vor allem der Motor befand sich in einem schlechten Zustand, eine Instandsetzung schien mit erheblichen Kosten verbunden und kaum realisierbar. Zeitweise stand sogar ein Verkauf des Fahrzeugs zur Diskussion. Letztlich entschied sich der Verein jedoch, das Fahrzeug zu erhalten und zunächst stillzulegen.
Die zweite Wiedergeburt
Die Wende kam unerwartet: Mit Alexander Schmöller (ebenfalls Löschzug Hauptwache) fand sich ein Kamerad, der über das notwendige Fachwissen im Umgang mit historischen Motoren verfügt. Er schloss sich der Crew an und brachte neuen Schwung in die Arbeiten.
Mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln gelang es, den Motor wieder instand zu setzen und zahlreiche technische Mängel zu beheben. Neben der Überarbeitung des Motors wurden unter anderem die Elektrik verbessert, Verschleißteile ersetzt, die Zündung neu eingestellt sowie Innenraum und Sitzbank aufgearbeitet. Auch schwer beschaffbare Ersatzteile konnten organisiert oder originalgetreu nachgefertigt werden.
Zurück auf der Straße
Der Einsatz zahlte sich aus: Am 18. März 2026 wurde das Fahrzeug bei der DEKRA ohne festgestellte Mängel abgenommen. Nur wenige Tage später, am 26. März 2026, erfolgte die erneute Zulassung für den Straßenverkehr.
Mehr als nur ein Oldtimer
Heute ist das ehemalige Löschfahrzeug wieder fahrbereit – nicht nur als technisches Relikt, sondern als lebendiges Stück Feuerwehrgeschichte. Es steht sinnbildlich für die Entwicklung des Feuerwehrwesens, für den Wandel der Zeit und vor allem für das Engagement vieler Generationen von Feuerwehrangehörigen.
Dass dieses Fahrzeug heute wieder existiert, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Leidenschaft, handwerklichem Können und dem festen Willen, Geschichte zu bewahren. Ein echter „Phönix aus der Asche“.
Der Verein – Träger der Geschichte
Der Verein der Freiwilligen Feuerwehr Passau wurde zur Unterstützung der aktiven Feuerwehr gegründet. Seine Mitglieder setzten sich insbesondere aus den Mitgliedern der drei Löschzüge in Passau zusammen, sowie weiteren fördernden Mitgliedern. Er kümmert sich – unter anderem – als „Hauptverein“ um den verbliebenen Oldtimer, der im Eigentum der Feuerwehr Passau steht.
Die Wiederherstellung dieses Oldtimers war nur durch ehrenamtliches Engagement und Spenden möglich.
Helfen auch Sie mit, die Freiwillige Feuerwehr Passau und damit auch die Feuerwehrgeschichte lebendig zu halten. Mit Einzelspenden oder im Rahmen einer Fördermitgliedschaft. Sprechen Sie uns gerne an.
info@feuerwehr-passau.de














